Digitale Gewalt ist nicht neu
Zur aktuellen Debatte um digitale Gewalt sagt Kathrin Gebel, frauenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag:
“Was am Fall Collien Fernandes gerade so viele Menschen erschüttert, ist ja nicht nur der konkrete Vorwurf. Er zeigt vor allem ein größeres Problem: Digitale sexualisierte Gewalt ist schon lange Realität, nur wurde sie viel zu lange nicht ernst genommen. Collien Fernandes kämpft nicht erst seit gestern gegen Deepfake Pornos und Identitätsdiebstahl. Dass sich jetzt was bewegt ist super wichtig, aber bitter ist doch: Erst wenn ein prominenter Mann als mutmaßlicher Täter im Raum steht, tut dieses Land so, als hätte es digitale sexualisierte Gewalt gerade neu entdeckt. Aber digitale Gewalt ist nicht neu. Neu ist nur, dass jetzt keiner mehr so tun kann, als hätte er davon noch nie gehört."
“Frauen sagen seit Jahren, dass sie digital sexualisiert, entwürdigt und bedroht werden. Und trotzdem hinken Recht, Plattformen und Strafverfolgung hinterher. Laut der LeSuBiA Studie hat jede fünfte Frau in Deutschland in den letzten fünf Jahren digitale Gewalt erlebt. Bei psychischer Gewalt ist es sogar jede zweite. Gerade bei sexualisierten Deepfakes sehen wir, wie neue Technik auf sehr alte patriarchale Muster trifft, nämlich auf Kontrolle, Entwürdigung und Gewalt gegen Frauen.”
“Genau deshalb reicht es nicht, jetzt kurz betroffen zu tun und ein bisschen Symbolpolitik zu machen. Wir brauchen klare Gesetze, schnelle Löschung, Plattformen, die endlich Verantwortung tragen, und Behörden, die Betroffene ernst nehmen und Fälle auch verfolgen können. Denn neue Gesetze allein helfen wenig, wenn Menschen am Ende trotzdem allein gelassen werden.”
“Der Fall Collien Fernandes ist also kein Ausreißer. Er macht sichtbar, was Frauen schon lange erleben. Wer Frauen und andere Betroffene patriarchaler Gewalt im Netz nicht schützt, schützt sie auch sonst nicht. Das Netz ist kein rechtsfreier Raum. Und Misogynie ist auch dann Misogynie, wenn sie mit KI, Plattformlogik und einem Upload Button daherkommt.”
