Nur Ja heißt Ja | Rede von Kathrin Gebel im Bundestag

Was ist so schlimm daran, einfach zu fragen?

Zur Debatte um eine Reform des Sexualstrafrechts fordert Kathrin Gebel, frauenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag, die gesetzliche Verankerung des Grundsatzes „Nur Ja heißt Ja“.

Kathrin Gebel erklärt:

„Frauen wird von klein auf beigebracht, nicht zu laut zu sein, nicht zu eskalieren, die Gefühle anderer mitzudenken. In einer Situation sexueller Gewalt plötzlich klar, laut und unmissverständlich Nein zu sagen, ist für viele deshalb eben nicht einfach. Aber Sex braucht Zustimmung. Das ist nicht kompliziert. Das ist nicht radikal. Das ist das absolute Minimum. Noch immer wird so getan, als müssten Betroffene nur laut genug Nein sagen, nur stark genug kämpfen, nur richtig reagieren und dann würde das Recht sie schon schützen. Aber so funktioniert Gewalt nicht. Viele Betroffene erstarren, haben Angst oder sind abhängig. Genau deshalb reicht das bestehende Recht nicht aus.“

„Nur Ja heißt Ja ist nicht nur eine Frage des Gesetzes. Es ist auch eine Frage des gesellschaftlichen Mindsets. Erschreckend viele Frauen kennen das aus Beziehungen mit Männern: so lange gedrängt zu werden, bis sie irgendwann nicht mehr widersprechen. Aber ein Ja aus Druck ist kein Ja.“

Gebel verweist zudem auf das große Dunkelfeld bei sexualisierter Gewalt:
„Viele Taten werden nicht angezeigt, viele Betroffene erleben Misstrauen statt Schutz. Dieser Staat muss aufhören, sexualisierte Gewalt so zu behandeln, als sei sie ein Missverständnis. Es ist kein Missverständnis. Es ist Gewalt. Und genau deshalb muss endlich gelten: Nur Ja heißt Ja.“